Niedergang der Zeitung

Öfter mal ins Stutzen kommt man beim Lesen von Zeitungsartikeln. Umso mehr, je besser man sich mit einer Materie auskennt. Viele Artikel strotzen nur von sachlichen Fehlern oder unpräzisen Darstellungen. Da kommt man dann doch unwillkürlich ins Grübeln, ob es denn bei Themen, bei denen man sich nicht wirklich gut auskennt, nicht ebenso oft falsche Darstellungen gibt.

Das Problem, vor dem die Zeitungen stehen: Die Seiten müssen gefüllt werden, und das rechtzeitig zum Redaktionsschluss. Dass das nicht immer klappt, sieht man an manchen Berichten zu Fußballspielen, die schon vor Abpfiff des Spiels geschrieben wurden und bei denen dann doch noch dummerweise kurz vor Schluss ein spielentscheidenes Tor fällt.

Ein besonders extremes Beispiel lieferte die in Wien erscheinende Tageszeitung Österreich. Der Andruck einiger Ausgaben der Zeitung erfolgt offensichtlich bereits um 16:30. Trotzdem fand bei der Ausgabe vom vergangenen Sonntag bereits ein Bericht über die erst knapp 4 Stunden später startende Wetten, dass?-Ausgabe Einzug auf die Titelzeile, wie u.a. die Süddeutsche Zeitung berichtet. Die Sendung wurde dabei keinesfalls nur angekündigt, sondern im Detail besprochen – so wie sich der Verfasser offensichtlich den Abend in seiner Phantasie vorgestellt hat. So habe Robbie Williams die Sendung angeblich aus dem Koma geholt oder Christoph Waltz gemeinsam mit Cameron Diaz auf der Couch Platz genommen.

Blöd nur, dass weder Robbie Williams, noch Christoph Waltz oder Cameron Diaz einen Auftitt an jenem Samstag abend in Wetten, dass? hatten. „Niedergang der Zeitung“ weiterlesen

Badewannen, Elefanten und Fußballfelder

Können sich wirklich so wenig Menschen Längen, Flächen, Volumina und Massen vorstellen, oder warum werden uns immer irgendwelche abstrusen Vergleiche mit Autos oder Badewannen aufgetischt?

Fährt irgendwo ein Schwertransport, wird das Gewicht gleich in die Nicht-SI-Einheit Elefanten umgerechnet, wahlweise aber auch in Autos, insbesondere in VW Golfs. Für Volumina muss die Badewanne herhalten, oder wenn es zu viele Badewannen werden, werden Lastwagenladungen herangezogen oder der Bodensee muss dran glauben. Größere Längen werden in Höhen vom Kölner Dom oder Erdumrundungen umgerechnet, noch größere in Entfernungen zum Mond. Wenn mal wieder Regenwald abgeholzt wird, bekommen wir gleich erklärt, dass jede Minute mehrere Fußballfelder draufgehen, genau genommen 4,5.

Wozu brauchen wir das? Noch dazu, weil diese Umrechnungen alles andere als exakt sind. So erreichen ausgewachsene Elefanten je nach Art ein Gewicht zwischen 2000 und 5000 kg. Ein Fußballfeld darf bei nationalen Spielen zwischen 45 und 90 Metern breit und zwischen 90 und 120 Metern lang sein. Also beträgt die Fläche eines Fußballfeldes zwischen 4.500 m² und 10.800 m² – ein ähnlich großes Intervall wie bei den Elefanten.

Und damit sollten sich doch Vergleiche mit Fußballfeldern und Elefanten bereits aus Präzisionsgründen verbieten, oder?