Niedergang der Zeitung

Öfter mal ins Stutzen kommt man beim Lesen von Zeitungsartikeln. Umso mehr, je besser man sich mit einer Materie auskennt. Viele Artikel strotzen nur von sachlichen Fehlern oder unpräzisen Darstellungen. Da kommt man dann doch unwillkürlich ins Grübeln, ob es denn bei Themen, bei denen man sich nicht wirklich gut auskennt, nicht ebenso oft falsche Darstellungen gibt.

Das Problem, vor dem die Zeitungen stehen: Die Seiten müssen gefüllt werden, und das rechtzeitig zum Redaktionsschluss. Dass das nicht immer klappt, sieht man an manchen Berichten zu Fußballspielen, die schon vor Abpfiff des Spiels geschrieben wurden und bei denen dann doch noch dummerweise kurz vor Schluss ein spielentscheidenes Tor fällt.

Ein besonders extremes Beispiel lieferte die in Wien erscheinende Tageszeitung Österreich. Der Andruck einiger Ausgaben der Zeitung erfolgt offensichtlich bereits um 16:30. Trotzdem fand bei der Ausgabe vom vergangenen Sonntag bereits ein Bericht über die erst knapp 4 Stunden später startende Wetten, dass?-Ausgabe Einzug auf die Titelzeile, wie u.a. die Süddeutsche Zeitung berichtet. Die Sendung wurde dabei keinesfalls nur angekündigt, sondern im Detail besprochen – so wie sich der Verfasser offensichtlich den Abend in seiner Phantasie vorgestellt hat. So habe Robbie Williams die Sendung angeblich aus dem Koma geholt oder Christoph Waltz gemeinsam mit Cameron Diaz auf der Couch Platz genommen.

Blöd nur, dass weder Robbie Williams, noch Christoph Waltz oder Cameron Diaz einen Auftitt an jenem Samstag abend in Wetten, dass? hatten. Bekanntlich wurde die Sendung nach einem Unfall bereits kurz nach Beginn abgebrochen.

Zugegeben, Wetten, dass? ist vorhersehbar, aber bisher habe ich mir doch nicht vorstellen können, dass Zeitungen durch vollständig erfundene Berichte mangelnde Aktualität wettzumachen versuchen. Zwar ist die betroffene Zeitung Österreich bisher nicht für Qualitätsjournalismus aufgefallen, dennoch ist es sicherlich ein Warnzeichen. Bei vielen Zeitungen und Magazinen sinken die Abonnentenzahlen, Werbekunden machen sich rar. Verlage wie Gruner+Jahr reagieren mit Zusammenstreichen von Redaktionen.

Ist die Zeitung also überlebensfähig? Die renommierte New York Times nimmt nun einen neuen Anlauf und will für Content im Internet kassieren. Zwischen 2005 und 2007 gab es bereits einen ersten Versuch. Es bleibt zweifelhaft, ob genügend Interessenten gefunden werden können, die für Inhalte bezahlen, die es an anderen Stellen des Internet kostenlos gibt.

Die vielen kleineren Verlagshäuser, die außer Lokaltratsch im Wesentlichen nur Agenturmeldungen bringen, werden sich etwas einfallen lassen müssen. Die TAZ, erfahren im Anzapfen unkonventioneller Einnahmequellen, hat als erste große Zeitung den Micropayment-Dienst Flattr auf ihren Webseiten integriert. Immerhin einige 100 Euro kommen so Monat für Monat zusammen.

Daniel Neuhaus

Hallo, ich bin Daniel Neuhaus aus Gütersloh. Weitere Informationen zu meiner Person sind in diesem Blog zu finden. Hier gibt es eine bunte Mischung aus IT, Medien und allem, was mich sonst noch so interessiert. Über Kommentare freue ich mich sehr!

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